(Kommentar veröffentlicht in der P.S. Zeitung am 11.4.2019)

Sie sind überall. In der Luft, in den Gewässern, im Trinkwasser, in den Wäldern, in den Böden, in den Vögeln, in den Menschen: Pestizide.

In jüngster Zeit wurden einige Studien publik, die die Diskussion um Pflanzenschutzmittel in der Schweiz wieder anheizen. Da ist einerseits die Umfrage der AefU (Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz) bei kantonalen Waldbeauftragten. Aufgrund der Aussagen machen die Aefu folgende Schätzung: Im Schweizer Wald wurden 2018 rund 700 Kilogramm hochtoxische Insektizide auf gefällte Stämme gespritzt. Das Insektizid Cypermethrin wird hier eingesetzt, um frisch geschlagenes Holz vor dem Borkenkäfer zu schützen. Aber es kommt noch besser: In mehreren Fällen wurden 2018 im Schweizer Wald Insektizide ausgebracht, welche seit 2017 nicht mehr zulässig sind. Mit dabei der Wirkstoff Chlorpyrifos, gegen den das umstrittene Glyphosat nahezu harmlos ist. Im eidgenössischen Waldgesetz ist festgeschrieben, dass im Wald keine solche Mittel verwendet werden dürfen, ausser in Ausnahmefällen. Diese sind laut den AefU eher die Regel, bewilligten 2018 doch 22 von 25 kantonale Forstämter den Einsatz hochgiftiger Insektizide.

Die zweite hochbrisante Studie kommt von der Universität Neuenburg. Sie hat das Vorkommen von bienenschädlichen Pestiziden im Boden untersucht und kommt zu einem Befund, der in seiner Klarheit doch erstaunlich ist: Alle Äcker im Mittelland sind durch Pestizide belastet. Die Brisanz dabei: Es trifft auch die Bio-Äcker. In 93% der Proben von biologisch bewirtschafteten Äckern haben die Forscher*innen Rückstände von Pestiziden gefunden. Und diese stammen nicht etwa von den Bauern, die sich nicht an die Vorschriften halten, sondern von den «Abgasen» der konventionellen Betriebe. Durch Oberflächenwasser und Wind werden die hoch wasserlöslichen Stoffe weit herum verteilt. Zudem ist auch das biologische Saatgut kontaminiert. Auch ökologische Ausgleichsflächen waren zu 80% verseucht, so stark, dass bis zu 7% der Insekten geschädigt werden. Ökologische Ausgleichsflächen sind jene Flächen, die der Bund dafür subventioniert, pestizidfrei zu sein.

Drittens ist da eine Studie des deutschen Umweltbüros «TIEM», die bis Dato umfassendste Studie zur Luftbelastung von Pestiziden in Deutschland. Der Befund: Bei Messungen im ganzen Land wurden über 100 Pestizide nachgewiesen, z.T. auch solche, die seit über 40 Jahren in Deutschland verboten sind, weil sie sich nur sehr langsam abbauen. Die Pestizide kumulieren sich in der Luft, man spricht in der Studie von einem gefährlichen «Cocktail-Effekt». Auch Glyphosat wurde in über der Hälfte der Proben gefunden, obwohl man bislang davon ausging, dass sich das umstrittene Pestizid nicht über den Luftweg verbreitet. In der Schweiz werden die Belastungen durch Pestizide in der Luft bislang nicht erhoben.

Wir subventionieren das Insektensterben. Im Sinne des Gesundheitsschutzes und des Naturschutzes gibt es nur eine einzige Möglichkeit: Gefährliche Pestizide müssen sofort flächendeckend verboten werden. Alles andere ist fahrlässig.

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