Sehr geehrter Herr Präsident, Herr Baudirektor, geschätzte Kolleginnen und Kollegen.

Die Grünen beantragen Streichung des Deponiestandorts Tägernauerholz und erachten es als angemessen, dies zu begründen, bevor wir über eine Verzögerung oder Volumenverminderung befinden.

Im Zürcher Oberland regt sich seit der Richtplanrevision 2009 Widerstand gegen geplante Deponiestandorte in der Region. Konzentriert hat sich der Widerstand über die letzten Monate besonders auf die Deponie „Tägernauer Holz“ in Grüningen/Gossau. Der Kanton plant dort eine riesige Schlackendeponie. Für diese Deponie sollen 7000 Bäume gefällt. Die Deponie soll die Trockenschlacke der KEZO (Kehrrichtsverbrennungsanlage Zürcher Oberland) für die nächsten circa 20 Jahre schlucken.

Im Widerstand gegen die Deponie Tägernauerholz bin ich seit einiger  Zeit aktiv. Ich kenne den Wald und das Umfeld aus nächster Nähe:

Der betroffene Wald gehört zum grössten zusammenhängenden Waldstück im Zürcher Oberland. Er ist ein wichtiges Ökosystem. Es ist kein Zufall, dass hier vor wenigen Jahren ein Wolf gesichtet wurde. Bereits durch den Bau der Forchautobahn wurde der Wald im Tägernauerholz aber durchschnitten.

Überall wird die Natur zurückgedrängt. Das Siedlungsgebiet dehnt sich aus.  Wenn ein Wald nicht nur abgeholzt wird, sondern der Boden abgetragen und somit auch die Pilznetzwerke zerstört werden, dauert es hunderte von Jahren, bis sich wieder ein stabiles Ökosystem herausgebildet hat. In Zeiten der Klimakrise sind wir angewiesen auf Wälder: Sie nehmen CO2 auf. Und wir sind angewiesen auf intakte Ökosysteme, nur die sind in der Lage, die viel beachtete Resilienz gegenüber der Kimaänderung zu haben. Eine Deponie, mitten im Wald. Diesen Präzendenzfall bei der Aufweichung des Waldschutzes können wir nicht unterstützen. Genauso wenig unterstützen wir die zunehmende Tendenz, Deponien im Wald zu «versorgen». Aus den Augen, aus dem Sinn, das darf nicht sein.

Die Region Zürcher Oberland ist durch Deponiestandorte übermässig belastet. Die Schlacke soll zwecks Wirtschaftlichkeit der Aufbereitungsanlage von möglichst weit her nach Hinwil für kommen – und dann aufgrund von ökologischen Argumenten wiederum möglichst nah deponiert werden. Das NIMBY-Argument beisst sich hier in den Schwanz.

Raumplanung ist eine Sache von Abwägungen und öffentlichen Interessen. Niemand will eine Autobahn im Vorgarten – oder eben eine Deponie. Das darf uns aber nicht die Gelassenheit geben, Standorte zu wenig genau zu prüfen.

Für uns ist das Tägernauerholz ist nicht der beste, sondern der einfachste Standort.

Das betroffene Waldstück ist in Kantonsbesitz. So fallen keine Entschädigungen für Grundeigentümer an. Den betroffenen Rehen und Füchsen fehlt die Macht von Landeigentümer*innen. Bäume und Tiere sind geduldige Nachbarn.

Die entscheidende Frage bleibt: Können wir uns leisten, auf Kosten der Natur zu planen?

Sie werden sagen: Wir brauchen die Deponiestandorte, die Bevölkerung und die Abfallmenge wachsen. Ich sage Ihnen: Die Schweiz ist Europameisterin in punkto Abfallmenge pro Kopf. 716kg Abfall/Kopf, das ist dreimal so viel wie 1970. Die EU verbietet Einwegplastik. Und wir? Wir planen eine Deponie in einem intakten Wald, die von wachsender Abfallmenge ausgeht.

Trotz topmodernen Kehrrichtsverbrennungsanlagen bleibt rund 16% der Masse nach dem Verbrennen übrig. Unser Umgang mit Wertstoffen muss ändern, hin zu mehr Kreisläufen, Wiederverwertung, neuen Materialien, mehr Kompostierbarem. Laut Angaben des Bundes sind beispielsweise 20% des Hauskehrrichts schon heute ohne weiteres weiterverwendbar (biogene Abfälle). Auch bei bspw. Verpackungen der Grossverteiler gibt es viel Potenzial.

Sehr geehrte Damen und Herren: Mehr Abfall ist kein Naturgesetz. In den bestehenden Deponien haben wir Kapazitäten von 20-30 Jahren. Die Zeit gilt es zu nutzen, um die Abfallmenge zu reduzieren. Wir können nicht mehr von wachsender Abfallmenge ausgehen und gleichzeitig nichts unternehmen, um diese zu reduzieren. Dieses System werden wir nicht mit Vorschlägen für andere Deponiestandorte unterstützen. Wir brauchen keine Deponien auf Vorrat, sondern einen Plan, wie Abfall verringert werden kann.

Sehr geehrte Damen und Herren. Deponieren war gestern. Kreisläufe sind morgen.

Wir werden bei der Abstimmung über die Anträge wie folgt vorgehen:

Erste Priorität hat die Verhinderung des Deponiestandorts und damit der Streichungsantrag Forrer. Im pragmatischen Sinne des kleineren Übels werden wir dem Verzögerungsantrag Pflugshaupt bzw. dem Volumenantrag Lais zustimmen.

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