(Publiziert in der P.S.-Zeitung im Juni 2020)

Kürzlich wurden die Ergebnisse des GEHsund-Projekts publiziert. Bei der Studie der handelt es sich um das Zufussgehen und die Qualität der Fussgängerinfrastrukturen in den verschiedenen Schweizer Städten. Die Untersuchung wurde von Fussverkehr Schweiz, umverkehR und der Hochschule für Technik Rapperswil durchgeführt.

Und es zeigt sich: Es gibt Nachholbedarf. Gerade auch in Zürich mit seinem sehr hohen Anteil an Verkehrsflächen: Hier sind Trottoirs oft zu schmal und werden zusätzlich gestört durch Trottinetts, Velos oder Motorräder, die auf den Trottoirs parkiert oder gefahren werden. Strassenübergänge gibt es auch zu optimieren: Schmale Verkehrsinseln, Lichtsignale, die mehr die Autos als die Fussgänger*innen bevorzugen.

Nicht, dass sich in den letzten Jahren nicht einiges bewegt hätte – aber die fussgängerfreundliche Verkehrsplanung, sie bleibt ein Stiefkind. Jahrzehntelang stand das Auto im Zentrum; die Hauptverkehrsachsen wurden sozusagen als Lebensadern der Städte verstanden, als Sinnbild für Fortschritt und Wohlstand. Es ist nicht einfach, von diesem Selbstverständnis des motorisierten Individualverkehrs abzurücken. Er gilt in breiten Bevölkerungsschichten noch immer als Inbegriff für Unabhängigkeit und Freiheit. Diese Freiheit, in den eigenen vier Blechwänden unterwegs zu sein, kostet aber, denn diese Freiheit leben wir auf Kosten anderer. Sie nimmt uns unsere schönsten Plätze, sie raubt uns unseren Schlaf, sie zerschneidet Landschaften und vernichtet wertvolles Ackerland. Sie raubt uns Zeit, uns zu bewegen und mit Menschen zu interagieren. Sie gefährdet unsere Kinder und unser Klima.

Darum ist es Zeit, den öffentlichen Raum neu zu denken und dabei auch die externen Kosten der Mobilität miteinzurechnen. Dann merkt man schnell: „gerecht“ ist anders. Die Mobilitätsform, welche am natürlichsten ist, weder teure Infrastruktur braucht noch technische Hilfsmittel, ist das Zufussgehen. Und beim Verteilkampf um den öffentlichen Raum starten die verschiedenen Verkehrsträger mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Wie das Zufussgehen an sich ist, nämlich sanft und leise, so setzen sich auch Planer dafür ein. Keine milliardenschwere Lobby hilft, die Interessen der Zufussgehenden zu vertreten.

Genau darum sind solche Studien, wie die des GEHsund-Projekts wichtig. Sie können aufzeigen, dass sich fussgängerfreundliche Infrastruktur rechnet. Dass die Aufenthaltsqualität in einer Stadt wesentlich davon abhängt, wie die Fussgängerwege und -plätze ausgestaltet sind. Je besser die Infrastruktur, je höher die Qualität, desto mehr Leute bewegen sich zu Fuss und tun so Gutes für ihre Gesundheit und das Klima. Die „Walkability“ oder „Marchabilité“ (ein passender Deutscher Begriff fehlt noch) einer Gemeinde – ist wesentlicher Faktor für die Lebensqualität.

Ich freue mich, mich als neue Präsidentin von Fussverkehr Schweiz nicht nur sanft und leise, sondern auch mal deutlich und beharrlich für eine gerechtere Verteilung des öffentlichen Raums einzusetzen.

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