Einen Versuch wars wert. Es wäre ein Coup gewesen, wie der Sieg der Kulturlandinitiative an der Urne 2012: Der Bauernverband hätte entschieden, mich bei den Ständeratswahlen zu unterstützen. Zugegeben, es war ein mutiges Unterfangen, beim Verband um die Unterstützung anzufragen.

Ja, die SVP ist die Partei der Subventionen, sie vertritt gekonnt die finanziellen Interessen des Bauernstands. Sie spart überall, aber nicht bei den Bauern. Aber die SVP ist auch die Partei der Bauwirtschaft. Ein Engagement für den Erhalt des Kulturlandes sucht man vergebens. Weder die Kulturlandinitiative noch die Zersiedelungsinitiative wurde unterstützt. Bei der kantonalen Kulturlandinitiative war die SVP an vorderster Front bei der Nichtumsetzung. Die SVP ist auch die Partei der intensiven Landwirtschaft, der Grossbauern. Sie wehrt sich gegen Verschärfungen im Tierschutz, gegen das Verbot giftiger synthetischer Pestizide, sie wehrt sich grundsätzlich gegen eine Ökologisierung der Landwirtschaft. Bei der AP 14-17 hat die SVP erfolgreich für die Aufhebung der Einkommens- und Vermögensgrenze lobbiiert – damit auch Landwirt*innen mit hohem Einkommen oder Vermögen Direktzahlungen kriegen. Klientelbewirtschaftung vom Feinsten.

Es ist eine unheilige Allianz zwischen den Landwirt*innen und den Wirtschaftsvertreter*innen in der SVP. Die Wirtschaft darf nicht kritisiert werden, da sie die Millionen für das Agrarbudget bringt. Egal, wie landwirtschaftsschädlich die Wirtschaftspolitik ist. Die Dissonanzen brechen ab und an hervor, aber meist halten sich alle an den Stillhaltepackt.

Wir haben keine Wahl: Der ökologische Umbau der Landwirtschaft steht bevor. Ohne ökologischen Umbau hat die Landwirtschaft in der Schweiz keine Zukunft. Und wenn der Bauernverband von einem medialen Bauernbashing spricht, darf er nicht ignorieren, dass es eine echte Sorge ist, die die Bevölkerung umtreibt: Die Sorge, dass die Politik (nicht die Bauern!) die Rahmenbedingungen für die heimische Landwirtschaft nicht so setzt, dass sie umweltverträglich sind. Niemand will Pestizide im Trinkwasser, niemand will tote Bienen, niemand will überdüngte, tote Böden, niemand will Kükenschredder. Mit einer Politik gegen den ökologischen Umbau macht man eine Rechnung ohne die Bevölkerung. Auch das ist reichlich mutig.

Der Bauernverband hat sich entschieden: Für den Klimaleugner, der eine Wirtschaftspolitik gegen die Landwirtschaft vertritt. Für einen Kandidaten, der keinen Handlungsbedarf in der Landwirtschaft sieht, der sich zuverlässig gegen eine Ökologisierung einsetzen wird, auch dort, wo sie den Landwirt*innen nützt. Der Bauernverband hat sich entschieden für eine Partei, die ihr Grosskapital mit symbolischen Edelweisshemden überdeckt. Das mag bei den heutigen Mehrheitsverhältnissen eine pragmatische Entscheidung sein, aber nachhaltig ist sie nicht.

Ich setze mich ein für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Und bin überzeugt, dass ich damit nicht wenige Landwirt*innen auf meiner Seite habe.

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