(Publiziert im Zürcher Oberländer im Juli 2020)

Es klingt wie ein Witz: Der Bund unterstützt die Luftfahrt mit fast zwei Milliarden Franken – und die Swiss bietet Billigsttickets an, um das Geschäft anzukurbeln. Mit unseren Steuergeldern ermöglichen wir Billigflüge für unter 100 Franken. Das Geschäftsmodell der Airlines basiert auf einem absurden System.

Die Luftfahrtbranche profitiert von zahlreichen Privilegien. Internationale Flüge sind von der Treibstoffsteuer befreit, während in der Schweiz Benzin und andere Mineralöle besteuert werden. So werden externe Kosten von gesamthaft 1,3 Milliarden Franken pro Jahr auf die Allgemeinheit überwälzt, davon belaufen sich alleine die Klimaschäden auf 983 Millionen Franken pro Jahr! Zusätzlich profitiert die Luftfahrt von der Mehrwertsteuerbefreiung, übrigens im Gegensatz zu Fernzügen. Diese Privilegien helfen, dieses Geschäftsmodell zu leben, welches die Umwelt zerstört: Sie führen zu einer absurden Nachfrage dank Dumpingpreisen und zu einem unfairen Wettbewerb gegenüber umweltfreundlichen Alternativen. Die SBB zum Beispiel erhält keinerlei Subventionen für Fernzüge. Dies macht möglich, dass ein Flug von Genf nach Barcelona billiger ist als eine Zugreise, obwohl er zehnmal mehr CO2 ausstösst. Rund 80% der Flüge aus der Schweiz erreichen ein europäisches Ziel, viele davon einfach mit dem Zug machbar.

Die Flugticketabgabe ist ein erster Schritt, um die Flugbranche etwas in die Pflicht zu nehmen. Aber es sind Grundsatzfragen, die nicht beantwortet werden: Muss man wirklich für unter 100.- fliegen können? Und ist es tatsächlich «normal» und erstrebenswert, dass wir mehrmals jährlich fliegen? Es braucht vielleicht Mut, diese Fragen zu stellen, aber sie sind wichtig.

Hätten wir vor 30 Jahren die Leitplanken richtig gesetzt und in alternative Treibstoffe investiert, wären wir heute so weit, dass wir CO2-neutral fliegen könnten. Aber wir haben es eben nicht getan, und darum müssen wir heute eine Notbremse ziehen. Die Luftfahrt braucht einen Neustart und die Corona-Krise wäre die Gelegenheit gewesen, den nötigen ökologischen Umbau und die Reduktion des Flugsektors in Angriff zu nehmen. Stattdessen unterstützen wir mit öffentlichen Geldern das Billigflug-Modell. Dass es anders gegangen wäre, zeigt Österreich, das die Staatshilfe an strenge Klimabedingungen knüpft. Wir sollten lernen und die wichtigen Fragen stellen. Die Welt verändert sich.

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